Kammerchor der Musikhochschule Stuttgart

Als bester unter vier großartigen Chören gewann der Hochschulchor aus Stuttgart den 2. Internationalen Wettbewerb für Kammerchöre Mosbach 2014 (RNZ)

Tatjana Fellermeier

Mosbach. Genauso knapp wie beim 1. Chorwettbewerb 2012 ging es auch diesmal zu. Bis zur offiziellen Verleihung der Urkunden war das Rennen um die drei dotierten Plätze und den Publikumspreis vollkommen offen. Auch die interessiert mitverfolgenden Zuhörer der beiden Runden hatten zumeist keinen eindeutigen Favoriten, sondern zeigten sich einfach nur beglückt über die fantastischen Leistungen, die hier zu hören waren.

In der festlichen Konzertgala mit abschließender Preisverleihung in der Mälzerei konnten sich die vier teilnehmenden Chöre am Sonntagabend noch einmal ganz ohne Wettbewerbsdruck von ihrer besten Seite zeigen. Zwei lokale Chöre, der Junge Kammerchor Rhein-Neckar und der NKG-Männerchor, komplettierten ein prachtvolles Programm, das die Zuhörer restlos begeisterte. Charmant durch den Abend geführt wurden sie dabei in englischer und deutscher Sprache von den beiden jungen Conférenciers Stefani Miller und Erik Burger.

Der erst 2011 gegründete Kammerchor der Musikhochschule Stuttgart entfaltete in der trockenen Akustik der Mälzerei mühelos den gleichen faszinierenden Klangzauber wie in der Stiftskirche und ließ unter der Leitung von Denis Rouger noch einmal einige der schönsten Stücke aus seinem Wettbewerbsprogramm erklingen.

Der Junge Kammerchor Rhein-Neckar, selbst bereits bei renommierten Chorwettbewerben ausgezeichnet, unternahm danach unter der Leitung von Mathias Rickert einen gekonnten Ausflug in Richtung A-cappella-Pop und übergab die Bühne an die Camerata Aetas Nova. Die Publikumslieblinge aus Leuven/Belgien blieben auch hier ihrem Schwerpunkt zeitgenössische Musik treu und präsentierten sogar noch zwei ganz neue Werke, die nicht aus ihrem Wettbewerbsprogramm stammten.

Nach der Pause waren zunächst die Lokalmatadore des NKG-Männerchores an der Reihe. Von der Renaissance bis Rammstein reicht ihr Repertoire, aus dem sie unter der Leitung von Christian Roos drei vergnügliche Kostproben ablieferten. Ein erwartungsvolles Raunen ging durch das Publikum, als das Programm des Berliner Chors Opus Vocale angekündigt wurde. Mit wunderschönen Stücken von Reger, Brahms, Mendelssohn und Rheinberger hatten Chorleiter Volker Hedtfeld und seine Sänger ganz auf das Thema "Abend und Nacht" gesetzt und verzückten ihre Zuhörer mit romantischem Wohlklang vom Allerfeinsten.

Den buntesten und fröhlichsten Auftritt aber legte zweifellos der junge Chor aus Los Baños/Philippinen hin. Zunächst präsentierten sie Folksongs aus ihrem Heimatland und begeisterten dann mit einem temperamentvollen Abstecher ins Musicalfach mit "A Thousand Years" und "Circle of Life", bei dem auch Chorleiter Romel Lomarda selbst ausgelassen mit einstimmte.

Gespannt wartete man danach auf die Bekanntgabe der Sieger. Klar, dass das Rennen sehr knapp ausgefallen sein musste, denn alle vier Chöre hatten ein überwältigendes musikalisches Niveau gezeigt, während Unterschiede sich vor allem im charakteristischen Ensembleklang oder der Auftrittsdramaturgie ausmachen ließen. Mathias Rickert, der kurz die Bewertungskriterien der Jury erläuterte, bevor er gemeinsam mit OB Michael Jann die Urkunden übergab, fand genau die richtigen Worte: In jeder Runde sei ein anderer Chor zu seiner Spitzenform aufgelaufen, sodass es den Juroren nicht leicht gefallen sei, eine Reihenfolge festzulegen. 

Der Publikumspreis, den ganz unabhängig von der Jury allein die Zuhörer der Vorrunde vergeben durften, ging an die Camerata Aetas Nova, der 3. Preis ging an das Choral Ensemble von Los Baños, der 2. Preis an Opus Vocale Berlin und der 1. Preis - nicht unverdient - an den Hochschulchor aus Stuttgart mit dem vielleicht ausgewogensten und leistungsfähigsten Gesamtklang. Mit einer kleinen Zugabe des glücklichen Siegerchores endete ein ereignisreiches Wochenende voller grandioser Chormusik.